Haltung

Einmaleins der Natternhaltung

Die von mir gepflegten Arten stellen teilweise sehr verschiedene Anforderungen ihre Haltung. Trotzdem pflegte ich über Jahre viele Arten im gleichen Raum. Durch eine entsprechende Anordnung, Einrichtung, Beheizung und Beleuchtung der Terrarien bemühe ich mich, allen Tieren optimale Bedingungen zu bieten. Einige Eckpunkte der Haltung sind jedoch vielen Arten gemein. Sie sollen im Folgenden kurz geschildert werden. Spezielle Informationen zu abweichenden Anforderungen der einzelnen Arten findet Ihr im speziellen Arten-Teil.

Terrarienzimmer

Altes Terrarienzimmer.
Blick in mein früheres Terrarienzimmer.

Das Terrarienzimmer sollte möglicht viel Tageslicht erhalten. Südlich exponierte Zimmer sind jedoch meist ungeeignet, da sie sich im Sommer zu stark aufheizen. Weiterhin ungeeignet sind Räume im (schlecht isolierten) Dachgeschoss. Keller- oder Erdgeschossräume sind meist günstiger, da sich hier z.B. eine nächtliche Temperaturabsenkung einfacher realisieren lässt. Mein Terrarienraum hat ein großes Fenster nach Nordosten, selbst während Hitzeperioden im Extremsommer 2003 stiegen die Temperaturen nicht über 28°C. Die gesamte Beleuchtung wird über einen Thermotimer geregelt, der bei überschreitung von 25°C Lufttemperatur (gemessen außerhalb der Terrarien) die Beleuchtung ausschaltet. Befinden sich viele Terrarien dich gestellt in einem Raum empfehle ich zudem einen starken Lüfter im Dauer- oder Intervallbetrieb. Er verhindert sowohl Hitzestau in Teilbereichen, die Durchlüftung schützt die Bausubstanz vor Feuchtigkeitsschäden und der Lüfter hilft vor allem dabei nachts genug Abkühlung durch geöffnete Fenster hereinzubringen.

Gazerahmen.
Schlangendicht montierter Gazerahmen vor dem Fenster.

Auch wenn die Tiere eigentlich im Terrarium leben, kommt es gelegentlich vor, dass Tiere entweichen - warum auch immer. Ich kenne keinen Terrarianer, dem noch kein Tier entwichen ist. Deshalb sollte schon durch die Planung der Terrarienanlage ein schnelles Wiederfinden der Tiere ermöglicht werden. Außerdem sollte durch die Dichtheit des Raumes ein Entkommen der Tiere verhindert werden (auch dann, wenn die Tiere nicht potentiell gefährlich sind). Ich habe vor Bezug des Zimmers alle Undichtigkeiten an Heizungsleitungen, Scheuerleisten, Türrahmen usw. abgedichtet. Außerdem ist vor dem Fenster ein mit Aluminiumgaze bespannter Holzrahmen schlangendicht montiert. Seit 2006 habe ich es durch die räumliche Trennung und Verteilung der Tiere in verschiedene Räume etwas einfacher den Anforderungen der Arten zu entsprechen. Da sich die Terrarien aktuell in Kellerräumen befinden, habe ich zudem die Möglichkeit, die Tiere zur überwinterung in Ihren Terrarien zu belassen.


Versiegelte Heizung.
Versiegelte potentielle Versteck- oder Ausbruchstellen an Heizungsrohren.
Terrarium.
Terrarium von Rhynchophis boulengeri.

Neuanschaffung

Alle meine Tiere sind Terrariennachzuchten, die ich zumeist ich im Alter von weniger als einem Jahr direkt beim jeweiligen Züchter abgeholt oder auf Börsen/Treffen erworben habe. So kann man sich ausführlich beim Vorbesitzer über Eigenheiten, Vorlieben und mögliche Probleme dieser Art informieren. Zu Anfang werden die Neuankömmlinge aus mir fremden Tierbeständen einige Zeit getrennt vom übrigen Bestand gehalten und eine Kotprobe zur parasitologischen Untersuchung gegeben. In unregelmäßigen Abständen lasse ich auch routinemäßig Kotproben von Tieren aus meinem langjährien Bestand untersuchen.

Einzelhaltung

Aufzuchtox von aussen.
Einfache Box (Hersteller: Gies).

Heranwachsende Nattern bringe ich grundsätzlich einzeln unter. Je nach Größe sind die Tiere in einfach eingerichteten ”mitwachsenden” Plastikterrarien untergebracht. Die Terrarien verfügen jeweils über eine trockene und feuchte Versteckmöglichkeit, eine lokale Wärmerquelle und ein Wassergefäß. Die einzelne Haltung erfordert einen größeren Betreuungsaufwand, ermöglicht aber, daß verschiedene Tiere gleich gut gedeihen. Oft sind es nur geringe Unterschiede im Temperament der Tiere, die bei gemeinsamer Aufzucht die Tiere sehr unterschiedlich gedeihen lassen. Man findet die Vorzüge einzelner Tiere schnell heraus und vermeidet Todesfälle durch Verkümmern durch Streß oder zu wenig Futter, weil die größeren Geschwister alles wegfressen. Auch Kannibalismus kann vorkommen, wenn Tiere so hungrig sind, daß sie nach Beute riechende Mitbewohner auffressen oder anfangen eine Babymaus zu fressen, die zuvor von der anderen Seite bereits von einem kleineren Tier gepackt wurde, daß dann einfach mitgefressen wird. Ich selbst habe so vor Jahren einmal eine kleine äskulapnatter verloren, die von einem gleich großen Geschwistertier im Streit um eine Maus erdrosselt wurde. Wenn man hinzukommt, kann man die Tiere aber zumeist retten, da sie wehrlose Beutetiere (wie nestjunge Mäuse oder eben auch aus Verwechslung mit Mäusen gefressene Schlangen) oft nicht erst erdrosseln sondern gleich lebend verschlingen, so daß man ihnen die ”Beute” noch lebend wieder abnehmen (herausziehen) kann. Derartige Zwischenfälle sind nicht auf Arten mit Tendenz zur Ophiophagie (Schlangenfressen) wie Lampropelten oder Elaphe carinata beschränkt, sondern können bei vielen Arten auftreten.

Aufzuchtbox von innen.
Innenansicht der Box - hier zur Aufzucht von Orthriophis moellendorffi.

Einige Natternbabys fressen außerdem nur nachts oder dann, wenn sich keine Personen mehr im Raum befinden, weshalb eine Kontrolle schlecht möglich ist. Wenn die Tiere dann größer sind und regelmäßig und kontrollierbar fressen, kann man sie natürlich auch in Gruppen unterbringen. Ich selbst bevorzuge getrenntgeschlechtliche Gruppen, um unkontrollierte Verpaarungen zu verhindern. Oft haben im Terrarium aufgezogene Nattern einen anderen Wachstumsverlauf als in der Natur und werden vor dem Erreichen einer entsprechenden körperlichen Reife geschlechtsreif. Auch viele der adulten Tiere halte ich außerhalb der Paarungszeit nach Geschlechtern getrennt. Bei vielen Arten führt dies zu einer Erhöhung der Paarungsbereitschaft. Bei einigen Arten kann es im Beisein von Weibchen zu aggresiven Verhalten zwischen männlichen Tieren (z.B. bekannt von Elaphe prasina, Bogertophis subocularis) oder heftigen und andauernden Kommentkämpfen (Pantherophis guttatus, Zamenis longissimus) kommen. Auch unnatürliche Zweitgelege (in einem Jahr) die zur Schwächung der Weibchen führen können (Lampropeltis, Pantherophis) lassen sich so oft verhindern.

Feuchtes Versteck

über ästhetik bei der Gestaltung der Terrarieneinrichtung kann man verschiedener Auffassung sein. Ich bin jedoch der Meinung, daß bei der Einrichtung eines Terrariums das Wohl der Tiere einen höheren Stellenwert einnehmen muß, als der optische Gesamteindruck. Deshalb befindet sich in jedem meiner Terrarien eine häßliche, mehr oder weniger kleine und undurchsichtige Plastikbox mit einem Loch als Ein- und Ausgang. Diese ist ca. zur Hälfte Substrat gefüllt, welches ständig feucht gehalten wird. Geeignet sind Kokosfaserstreu, Torfmull, Moos oder auch Zellstoff. Die übrigen Bereiche des Terrariums halte ich absolut trocken. Das Substrat in den Boxen wird regelmäßig ersetzt. Die relative Luftfeuchtigkeit in diesen Boxen liegt bei 80-95%. Die Tiere haben so immer die Möglichkeit, ein feuchtes Versteck aufzusuchen. Mache Arten liegen oft für lange Zeit in diesen Boxen (z.B. Coelognathus flavolineatus, Bogertophis s. subocularis sowie Euprepiophis mandarinus und Euprepiophis conspicillatus, wenn der Rest des Terrariums kein feuchtes grabbares Substrat bietet), andere suchen diese Boxen eher selten auf, ohne sie jedoch zu meiden (z.B. Zamenis situla, Zamenis persicus, Elaphe prasina). Einige Arten nutzen die Boxen bevorzugt als Kotabgabeplatz (Bogertophis s. subocularis, Orthtriophis taeniurus ridleyi, Oreophis porphyraceus), was eine häufige Kontrolle oder/und das Einstellen einer zweiten Box, die dann meist verschont wird, erforderlich macht. Auch wenn die Reptilienhaut vergleichsweise wenig zur Wasseraufnahme fähig ist, ist es meiner Meinung nach wichtig, den Tieren neben dem Trinken eine weitere Möglichkeit zur Regulierung ihres Wasserhaushaltes zu bieten. In ihrer natürlichen Umgebung haben viele Arten wesentlich seltener die Möglichkeit trinkbares Wasser zu finden, als ein feuchtes Versteck! Feuchte Verstecke sind sogar wesentlich häufiger vorhanden als trockene. Hautprobleme wegen zu feuchter Haltung habe ich bei meinen Tieren noch nicht beobachtet. Nur bei wenigen Tieren ist ein Wasserversprühen vor einer Häutung nötig, da fast alle Tiere selbständig die Box als feuchtes Versteck aufsuchen. Auch bei einer nicht erwarteten (oder unbemerkten) Trächtigkeit steht den Weibchen ein geeigneter Eiablageplatz zur Verfügung, so daß die Wahrscheinlichkeit einer Legenot geringer ist und die Eier viele Tage liegen können, ohne auszutrocknen. Bei mir legen alle weiblichen Tiere ihre Eier in diese Boxen. Nur bei mehreren trächtigen Weibchen im gleichen Terrarium und den Arten, die die Boxen als Kotplatz benutzen, stelle ich zur Eiablage weitere Boxen ins Terrarium. Natürlich kann man Nattern auch ohne diese unnatürlich aussehenden Boxen halten - nur eben nicht trocken, nur mit Trinkwasser. Wenn man seine Terrarien etwas aufwendiger einrichtet, kann man z.B. einen hohen Bodengrund einbringen, der oberseits trocken ist, aber unterirdisch feuchte Verstecke bietet, im Bodengrund eine flache Fotoschale versenken (die eine Ausbreitung der Feuchtigkeit übers gesamte Terrarium verhindert und darauf ein Versteck platzieren), lebende Topfplanzen einstellen (und den Schlangen im oder auf dem Pflanzsubstrat Verstecke anbieten) usw.

überwinterung

Für Nattern aus gemäßigten oder subtropischen Gebieten sollte eine entsprechende überwinterung mehr als nur Mittel zum Zweck (Fortpflanzung) sein. Ich überwintere meine Tiere entsprechend den klimatischen Bedingungen in ihrem Ursprungsgebiet und nicht nur ”2-3 Monate Licht aus und 10 Grad kälter”. Der Aussage, dass es ”bei kühlerer überwinterung eher zu Ausfällen kommt”, kann ich nicht zustimmen. Bei einigen Arten (z.B. Zamenis hohenackeri, Zamenis longissimus, Zamenis persicus, Pantherophis vulpinus, Elaphe climacophora, aber auch andere) ist das Gegenteil der Fall: die Tiere unterliegen so stark ihrem endogenen Rhythmus, das sie ab Juli, August oder September die Nahrungsaufnahme einstellen. Bis zur Einwinterung im Oktober verlieren sie durchaus einiges an Gewicht, in der Winterruhe selbst jedoch kaum noch. überwintert man diese Arten kurz (kürzer als 5 Monate) oder zu warm (über 10°C) ist dies sicherlich ein höheres Ausfallrisiko als eine den natürlichen Gegebenheiten entsprechende überwinterung, da sie aktiv bleiben und einen erheblich höheren Stoffwechsel haben. Früher überwinterte ich meine Tiere in einem dunklen Raum bei verschiedenen Temperaturbereichen 4-15 °C (siehe dazu spezieller Teil). Die Tiere wurden in kleineren Terrarien oder umgebauten Plastikeimern untergebracht und hatten die Möglichkeit sich in feuchtes Substrat einzugraben bzw. Verstecke, die auf einer hohen Substratschicht aufliegen, die am Boden feucht und oberseits trocken ist. Sie hatten somit eine höhere Feuchte als in der aktiven Zeit des Jahres. Trinkwasser ist bei der beschriebenen Methode nicht zwingend erforderlich, steht aber zur Verfügung. Durch die Haltung im Keller und Gruppierung der Arten entsprechend ihrer Temperaturansprüche in verschiedenen Räumen kann ich aktuell alle gehaltenen Arten ganzjährig in Ihren Terrarien belassen. Manchmal liegen Tiere während der Winterruhe längere Zeit im Wassergefäß, was ich schon bei Elaphe prasina, Zamenis longissimus und Pantherophis vulpinus beobachten konnte. Ich kontrolliere die Tiere in der Winterruhe alle 4-6 Wochen. Jungtiere überwintere ich fast komplett schon im ersten Winter und biete ihnen auch die gleichen Temperaturverhältnisse wie den Adulti. Allerdings soll die Winterruhe anders als in der Natur in der Terraristik keinen Selektionsfaktor darstellen, sodass ich die Ruheperiode für Babies auf einige Wochen beschränke. Jährlinge bekommen aber dann meist schon ”das volle Programm”.

überwinterungsbehälter.
”überwinterungseimer”.
Blick ins Winterquartier.
Blick ins Winterquartier von Zamenis persicus.

Inkubation

Vermikulite Größe 4.
Feuchtes Vermikulit in Größe 4 (2-10 mm).

Die Fürsorge einer Natternmutter für Ihren Nachwuchs endet mit der Ablage der Eier an einem für die weitere Entwicklung günstigen Ort. Nur bei wenigen Arten ist ein Verbleiben der Weibchen am Eiablageplatz und Verteidigung des Geleges vor Feinden beschrieben. Es ist aber auch möglich, das bei solchen Beobachtungen das vom Eierlegen geschwächte Weibchen einfach noch einige Zeit an der Stelle liegen blieb. Bei mir verweilte eine Orthriophis taeniurus ridleyi sechs Wochen am Eiablageplatz und verteidigte die Stelle durch Fauchen und ”Schubsen”. Erst nachdem ich die Eiablagebox aus dem Terrarium entfernte, begann das Tier wieder zu fressen. Da sich im Terrarium den trächtigen Weibchen nur ein beschränktes Spektrum an Ablagemöglichkeiten bietet, müssen die Tiere nehmen, was sie bekommen können, auch wenn es vielleicht nicht der optimale Platz ist. Deshalb hat es sich der Terrarianer zur Aufgabe gemacht, das Gelege nach der Eiablage zu bergen und an einem stellvertretend für das Muttertier ausgewählten Ort (Inkubator) zu deponieren. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Eier seiner Tiere während Ihrer Entwicklung aufzubewahren und die Jungtiere zum Schlüpfen zu bringen.

Dehydrierte Schlangeneier.
Schlangeneier sind robust. Dieses dehydriert aufgefundene Gelege schlüpfte fast komplett.

Natterneier sind robuster als man glaubt. Mangelnder Schlupferfolg liegt häufig nicht an den Verhältnissen während der Inkubation, vielmehr sind die Gründe ”im Elternhaus” zu suchen. Es gilt: ”Never change a running system.” Oder anders herum: ”Viele Wege führen nach Rom.” Entscheidend sind drei Faktoren: Feuchtigkeit, Temperatur und Gasaustausch (Frischluftzufuhr) - möglicherweise auch chemische oder mikrobiologische Prozesse in Abhängigkeit von der Substratbeschaffenheit. Die Eier sollten bei Temperaturen zwischen 22 und 28 °C und einer relativen Luftfeuchte von über 90% ”erbrütet” werden. Wenn die Eier in einem Substrat liegen, sollte dies einen Gasaustausch ermöglichen, der Inkubator sollte Lüftungsschlitze haben oder gelegentlich geöffnet werden. Ich selbst habe früher die Eier freiliegend oder bedeckt erfolgreich auf/in Schaumstoff inkubiert, verwende aber mittlerweile Vermiculit in der gröbsten Körnung (Größe 4: 2-10 mm) und bedecke die Eier zu 50-90%. Bei der Inkubation auf Schaumstoff ohne umgebendes Substrat habe ich festgestellt, dass die an der Unterseite am stärksten an Volumen zugelegt haben. Deshalb halte ich einen großflächigen Substratkontakt (bei ausreichender Belüftung) für besser. Die Eier legen so während der Inkubation mehr an Volumen zu und es schlüpfen kräftigere Jungtiere. Bei einigen Arten scheint eine Substratbedeckung nötig, das die Jungtiere überhaupt schlüpfen können (Coelognathus flavolineatus). Ich verwende seit 2001 einen großen Laborinkubator, Typ Heraeus B 6200. Das Gerät hat einen großen Brutraum und eine innere Glastür, die ein betrachten des Innenraums ohne großen Temperaturabfall ermöglicht. Am Boden des Gerätes sorgt ein mit Wasser gefülltes Plastiktablett für eine Erhöhung der Luftfeuchte im gesamten Brutraum. Das besondere ist jedoch sein digitales Thermostat: Es heizt nicht stur hoch, bis eine bestimmte Temperatur erreicht ist und schaltet dann ab, bis es wieder 0,5 oder 1 °C kälter ist, sondern steuert die Heizung bei Annäherung an die Soll-Temperatur so, dass nur noch kurze Heizimpulse dafür sorgen, dass die Soll-Temperatur nur erreicht und nicht überschritten wird. Danach sorgen auch im Soll-Temperaturzustand weitere Impulse dafür, dass die Temperatur nicht wieder abfällt. Außerdem verfügt das Gerät über einen analogen übertemperaturwächter, der beim überschreiten der eingestellten Temperatur (z.B. bei 30°C) bei Defekten, das Gerät abschaltet, bis die Temperatur wieder um einige Grad gefallen ist. In den vorangegangenen Jahren habe ich jedoch auch mit erheblich primitiveren Eigenbau-”Inkubatoren” gleich gute Resultate erzielt. Eine konstante Temperatur ist nicht zwingend erforderlich, ich habe verschiedene Gelege auch schon mit täglich mehrstündiger Abschaltung (”Nachtabsenkung”) erfolgreich inkubiert. Bei der Aufstellung des Inkubators sollte man einen ruhigen nicht zu warmen Ort wählen. Für die Eier mancher Arten sind bereits Temperaturen ab 29°C als kritisch einzustufen. Gerade im Sommer kann ein Brutschrank auch mal zuviel Wärme von Außen bekommen! Nur wenige Geräte verfügen über ein integriertes Kühlaggregat.


Heraeus B6200.
Laborinkubator, Typ Heraeus B6200.
Heraeus B6200 Innenansicht.
Innenansicht des Inkubators bei geschlossener Innenglastür mit Inkubationsboxen und Luftbefeuchtungsschale.

Futtertiere

Vielzitzen Mäuse
Afrikanische Vielzitzenmäuse, jung bis halberwachsen.

Ich versuche meine Schlangen einigermaßen abwechslungsreich zu ernähren, d.h. Futtertiere verschiedener Arten oder abwechslungsreich ernährte Futtertieren der selben Art anzubieten. Ich züchte seit vielen Jahren meine Futtertiere selbst: Labormaus - Mus musculus domesticus, Afrikanische Vielzitzenmaus - Mastomys natalensis und (Wander-)Ratte - Rattus norvegicus.

Ratten.
Ratten sind neugierig aber relativ ängstlich. Meine Tiere haben mich noch nie gebissen.

Nicht alle Schlangen fressen alles. Aber oft ist es hilfreich, einzelnen Tieren verschiedenes Futter anbieten zu können. Die Zuchten sind in einem gesonderten Raum außerhalb meiner Wohnung untergebracht. Eine Unterbringung der Nagerzucht im gleichen Raum wie die Tiere lehne ich ab. Es ist sicher nicht artgerecht, den Tieren ständig konzentrierten Futtertiergeruch zu präsentieren. Auch die scheueren meiner Tiere schauen mit ihren Köpfen aus dem Versteck, wenn ich Mäuse mit in die Wohnung gebracht habe. Ich halte die Tiere in handelsübliche Nagerzuchtboxen.


Löwenzahn.
Eine kleine Löwenzahnplantage gehört zu jeder guten Futtertierzucht.
Taubnessel.
Auch Taubnesseln werden gern gefressen.

Als Futter biete ich verschiedene Preßlinge, die speziell für Mäuse und Ratten entwickelt wurden, eine Körnermischung, Wiesenheu und in Abhängigkeit von der Jahreszeit verschiedenes Frischfutter. Trinkwasser aus Flaschen steht immer zur Verfügung. In den Wintermonaten habe ich deutlich weniger Zuchtgruppen. Zudem töte ich einige Futtertiere ab und friere sie ein, um für die Hauptfreßperiode meiner Schlangen (April, Mail) genug Reserven zu haben. Empfohlene Literatur:


Makrolonboxen.
Weiße Labormäuse in handelüblichen Makrolonboxen, gefüttert mit Nager-Pellets, Getreidemischung und Grünfutter, getränkt mit Wasser aus DDR-Plastikflaschen.
Mäuse.
Weiße Mäuse, fertig zum Gefressen-Werden.

Bodengrund

Bodengrund.
Kokoseinstreu verpackt und einsatzbereit.

In der Schlangenhaltung finden zahlreiche Substrate Anwendung, die jeder für sich Vor- und Nachteile bieten. Ich persönlich würde zum einen von Zeitungspapier abraten. Es ist sehr glatt, die Tiere finden keinen Halt - ich bezweifle, dass es für eine stressarme Quarantänehaltung die richtige Wahl ist. Zellstoff oder Küchenpapier sind sicher die bessere Alternative. Zum zweiten nutze ich persönlich keine groben Substrate wie Buchenholzspäne/-stücke (kleine Körnungen bis 2mm sind ok.), Rindenmulch oder andere Rindensubstrate. Zumindest dann, wenn man seine Tiere im Terrarium füttert kann bei Beutefangversuchen oder beim Herunterschlingen schnell mal ein Stück Holz mit Heruntergeschlungen werden und bei entsprechender Größe tödliche Komplikationen auslösen. Torfmull sollte man allgemein wegen seiner moorzerstörenden Gewinnung nur sparsam einsetzen. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit sogenannten Humusziegel- bzw. Kokosfasersubstraten gemacht. Sie sind preiswert, gut zu lagern, einfach in der Anwendung, nicht bis wenig staubend, optisch ansprechend, binden gut Exkremente und speichern gut Wasser.