Bambusnatter oder Porphyrnatter
Oreocryptophis porphyraceus
Bambusnattern erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Berücksichtigt man einige Grundregeln sind sie einfach zu halten und regelmäßig nachzuzüchten. Ich halte drei Unterarten dieser Natter: Oreocryptophis porphyraceus coxi aus Nordost-Thailand, Provinz Loei, Oreocryptophis porphyraceus vaillanti aus Nord Vietnam, Tam Dao und Oreocryptophis porphyraceus laticinctus aus den Cameron Highlands in Malaysia. Entsprechend ihrer Herkunft dürfen die Tiere nicht zu warm und nicht trocken gehalten werden. Alle Unterarten bevorzugen Tagestemperaturen unter 27°C, oft liegen sie an Stellen, wo sie nur 20-24°C vorfinden. Als kurzzeitiges Maximum wurden von meinen O.p.coxi-Nachzuchten während sommerlicher Hitzeperioden 30°C toleriert. Nachts können die Temperaturen deutlich unter 20°C sinken. Die Tiere sollten immer ein feuchtes Versteck aufsuchen können und auch im gesamten Terrarium sollte eine gewisse Grundfeuchte herrschen, die man z.B. dadurch erreichen kann, dass man den Bodengrund regelmäßig nachfeuchtet damit sich am Grund immer etwas Feuchtigkeit hält. Oberseits sollte das Substrat aber eher trocken sein, es sollte keine feucht-stickige Luft im Terrarium stehen (beschlagene Scheiben).
Die Tiere reagieren besonders in Ihrer Jugend sehr nervös auf Störungen. Berührt man sie, versuchen sie zu flüchten oder setzten sie sich mit Körperschlagen oder/und Beißen zur Wehr. Manchmal reicht ein Entfernen des Versteckes um dieses Verhalten auszulösen.
Das Temperament der erwachsenen Tiere ist individuell sehr verschieden. Ich habe in allen Unterarten sehr ruhige brave Vertreter, aber auch sehr nervöse und hektische die bei Beunruhigung springen und beißen. Unabhängig von Temperament und Alter empfehle ich eine dauerhafte Einzelhaltung. Die meisten Tiere sind sehr gierige Fresser, die sich problemlos auf tote Futtertiere umstellen lassen. Man sollte sich nicht verführen lassen die Tiere zu überfüttern. Sogenannte Fettbeulen an den Flanken im Bereich der Kloake können die Folge sein, sind aber auch ein Zeichen dafür, dass alle anderen (natürlichen) Fettdepots bereits gefüllt sind und sicher auch bereits unerwünschte Fettanreicherungen in Organen (Leber, Niere) stattgefunden haben. Reproduktive Weibchen müssen natürlich trotzdem mit ausreichend Futter versorgt werden, ihr Bedarf liegt ca. beim 3- bis 4-fachen adulter Männchen.
Im Winter halte ich die Tiere für einige Zeit bei Temperaturen zwischen 10 und 15°C. Bei Temperaturen im unteren Bereich dieser Skala, biete ich den Tieren tagsüber lokal eine milde Wärmequelle. Meine O. p. coxi haben auch 5 °C schon unbeschadet überstanden, bei meine O. p. laticinctus konnte ich bei 12°C eine Paarung beobachten die über 24 Stunden andauerte. Die Hauptpaarungszeit ist im Frühjahr, oft paaren sich die Tiere schon wenige Minuten nach dem Zusammensetzen der Partner. Jedoch finden auch zu anderen Zeiten Paarungen statt. Die Frühjahrspaarung reicht nach meinen Erfahrungen jedoch aus um alle Gelege der Saison zu befruchten, dies sind meist zwei pro Weibchen, nicht selten aber auch drei. Bambusnattern sind vergleichsweise frühreif, schon mit 1,5-2 Jahren können die Weibchen beginnen zu legen und das auch dann, wenn sie zuvor keinen Kontakt mit Männchen hatten. Manchmal beginnen Sie dann mit nur einem Ei - fand keine Verpaarung statt ist es natürlich unbefuchtet. Junge Weibchen von O. p. vaillanti legen als junge Mütter manchmal sehr dünne lange (zigarilloförmige) Eier ab.
Die Inkubation erfolgt wie bei anderen Nattern auch. Ich inkubiere meist bei Temperaturen zwischen 23 und 27°C, teilweise auch mit Nachtabsenkung.
Die Aufzucht der Jungtiere verläuft in der Regel problemlos. Nur die Nachzuchten von sehr jungen Müttern bereiten manchmal Probleme bei der Futterannahme. Normal sind aber terraristische Vokabeln wie futterfest (oder auch nicht) für Bambusnattern nicht anwendbar, weil gesunde Babies von Anfang an gute Mäusefresser sind! Zu beobachten ist allerdings, dass Nachzuchten von O. p. coxi und besonders O. p. laticinctus von Anfang an sehr gut ans Futter gehen während kleine O. p. vaillanti etwas schüchterner und zögerlicher sind. Letztere wachsen im Durchschnitt etwas langsamer, auch das Erscheinungsbild dieser Unterart ist etwas zarter.
Adultgröße: selten über 100 cm
Überwinterung: 2-3 Monate, bei 10-15°C
Empfohlene Literatur:
- Schulz, K.-D. & Helfenberger, N. (1998): Eine Revision des Unterarten-Komplexes der Roten Bambusnatter Elaphe porphyracea (Cantor, 1839), Sauria, Berlin, 1: 25-45
- Schulz, K.-D. (2000): Haltung und Zucht von Elaphe porphyracea coxi (Schulz & Helfenberger, 1998) und Elaphe porphyracea vaillanti (Sauvage, 1876), Sauria, Berlin, 3: 11-16
- Grossmann, W. & Tillack, F. (2004): Angaben zur Haltung und Vermehrung der Breitband - Porphyrnatter Oreophis porphyraceus laticinctus, Sauria, Berlin, 1: 37-44
- Knietsch, V. (2005): Die Terrarienhaltung der Thailändischen Roten Bambusnatter (Oreophis porphyraceus coxi) sowie eine seltene Zwillingsgeburt, Reptilia 56, S. 62
- Bulian, J. & Siebert, B. & Ansermet, M. (2005): Zur Nachzucht der Roten Breitband-Bambusnatter, Oreophis porphyraceus laticinctus Schulz & Helfenberger 1998, Reptilia 56, S. 67
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- Wenige Wochen altes Weibchen von O. p. vaillanti (gleiches Tier wie bei der Eiablage am 04.04.2008).



















